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Doppelheft-Nr. 19/20: Stirb und Werde Drucken E-Mail
Heft1920gro

Heft Nr.19/20  ●  September 2008

Schwerpunkt:
Stirb und Werde

Leseprobe:

Liebe ist stärker als der Tod

von Hildegunde Wöller
Liebe und Tod sind denkbar größte Gegensätze. Trotzdem werden sie immer wieder in einem Atemzug genannt. Beide, Liebe und Tod, greifen tief in den Wurzelgrund des Rätsels Mensch. Aber warum Liebe die Macht hat, Glück zu begründen und ebenso in den Tod zu treiben, darauf gibt es allenfalls die Auskunft, dass hier ein Gott wirkt, Eros, dem der Mensch ausgeliefert ist.
In der europäischen Literatur wird immer wieder von Liebespaaren erzählt, deren Geschichte mit dem Tod endet. Bekannt sind Romeo und Julia, Tristan und Isolde, Hera und Leander, Elsa und Lohengrin in Wagners Opern und viele mehr.
Warum ist das so? Die Antwort scheint einfach: Die Liebenden scheitern an äußeren Bedingungen wie Gesetz, Moral und Konvention, am Krieg oder anderen Katastrophen. Und dann wollen sie nicht mehr leben. Warum ist die Liebe für sie so lebenswichtig, dass sie alles andere – Sicherheit, Anerkennung und Freiheit – abweisen?
Schiller sagt in seiner Ballade von dem Taucher, der die Tochter des Königs auch nur einmal erblickt:
 
    Da ergreifts ihm die Seele mit Himmelsgewalt, und es blitzt aus den Augen ihm kühn.
 
Liebe also eine Himmelsgewalt? Die einen in dem Augenblick ergreift, in dem Amors Pfeil einen trifft, wie die Antike so treffend sagte, und die bis heute als „Liebe auf den ersten Blick“ bekannt ist? Unzählige Lieder, Romane und Filme erzählen immer neu vom beseligenden Glück der Liebenden ebenso wie von unerträglichem Trennungsschmerz, von jahrelangem Suchen nach der Verlorenen, von Verzweiflung und Tränen, ja auch von sozialen und politischen Folgen der unerlaubten und unglücklichen Liebe in Tausenden von Varianten.
So zum Beispiel das Versepos Leila und Madschnun des persischen Dichters Nizami, das in der arabischen Welt, in Indien und der Türkei zu den Klassikern der Liebesdichtung zählt.
Der junge Qeis und Leila lernen sich kennen und lieben, doch der Vater Leilas erlaubt die Ehe nicht. Darüber wird Qeis zum Madschnun, zum Wahnsinnigen. Er flieht in die Wüste und lebt bei den Tieren, nur seine Liebesgedichte machen überall die Runde. Leila wird mit einem Anderen verheiratet, verweigert sich aber ihrem Gatten und bleibt Madschnun treu. Erst als beide gestorben sind, liegen sie im selben Grab.
 
    So schlummern die beiden der Auferstehung entgegen, es kann kein Tadel ihnen den Weg mehr verlegen. Sie hatten sich Treue gelobt in dieser Welt; sie schlafen in jener zusammen im gleichen Zelt.
    (Nizami,1963)
 
 
1Klimt
Gustav Klimt: Der Kuss, 1907-1908
Wien, Österreichische Galerie Belvedere
 
Eine Antwort auf die Frage nach Liebe und Tod gibt die Tiefenpsychologie C. G. Jungs.  C. G. Jung führte die Begriffe Anima und Animus in das Verstehen dieser Vorgänge ein. Die Anima ist das weibliche Innenbild im Mann, das er meistens erst kennen lernt, wenn er sich in eine Frau verliebt. Er projiziert seine Anima auf die geliebte Frau. Und da ereignet sich dann Unglaubliches: Er sieht in ihr eine Göttin, eine Erlöserin, den Inbegriff alles Guten und Edlen und Ersehnten und damit all dessen, was ihm bisher fehlt. Ohne sie will und kann er nicht mehr leben. Er ist ihr auch dann verfallen, wenn sie sich als Hexe, als Hure und Verführerin erweist, die ihn verwirrt und in den Abgrund reißt.
Anima und Animus als archetypische Gestalten sind ambivalent, das heißt, sie können segnen oder zerstörend wirken. Wenn es je einen Beweis für die Macht der Psyche brauchte, das Verliebtsein bringt dafür die stärksten Belege. In diesem Zustand aktiviert der Mann ungeheure Kräfte in sich, wächst über sich hinaus oder wird wahnsinnig.
Bei der Frau ist es ähnlich. In ihrer Psyche wohnt das archetypische Bild des Männlichen, der Animus. Und wenn sie sich verliebt, projiziert sie ihn auf den Mann, er erscheint ihr als Inbegriff von Geist und Lebenssinn, er ist ihr Held, Priester, Guru, mit einem Wort: inspirierende Macht, erlösender Gott. Selbstverständlich möchten die Liebenden mit dieser außen erlebten göttlichen Gestalt verschmelzen, von ihr aus der Einsamkeit erlöst werden, und Ausdruck dafür ist die sexuelle Vereinigung. Die Behauptung, es gehe dabei in erster Linie um Sex, ist vordergründig. Es geht den Liebenden um ein zutiefst religiöses Anliegen. Und ohne die Nähe der oder des Geliebten verliert ihr Leben jeden Sinn.
Aber noch einmal: Warum Liebe und Tod? Mit der Wirkungsweise der Archetypen in den Verliebten sind wir einer Antwort schon näher.
Die antike Mythologie erzählt immer wieder davon, dass ein Gott sich eine Menschenfrau als Liebhaberin erwählt oder eine Göttin einen menschlichen Jüngling. Diese Mythen sind ein anschaulicher Ausdruck für das Erleben von Verliebten, weil sie ja im Geliebten einen Gott oder eine Göttin sehen.
Aber während unsere Märchen oft damit enden, dass Held und Heldin sich endlich bekommen und mit den Worten schließen „ ... und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie heute noch“, geht es in griechischen Mythen oft ganz anders aus: Da werden die menschlichen Liebespartner am Ende in den Olymp aufgenommen, wie zum Beispiel Psyche in dem Märchen Amor und Psyche, also in den Kreis der Götter, oder sie werden als Sternbilder an den Himmel versetzt. Das klingt dann nicht so traurig wie Tod, ist aber nach irdischen Maßstäben doch dem Tode gleich.
Wagner hat in seiner Oper Lohengrin ein anderes Bild gewählt: Da entschwindet Lohengrin auf einem Kahn, weil er zurück muss zur Gralsburg, und Elsa sinkt aus Schmerz tot zusammen.
Was ist mit dem Entschwinden in einer fernen Gralsburg, was mit der Aufnahme in den Olymp oder mit der Versetzung an den Sternenhimmel gemeint? Auch dies kann die Tiefenpsychologie am besten beantworten. Sie meint, dass diese Liebe in der Menschenwelt noch nicht gelebt werden kann und deshalb zurücksinkt – nun nicht in den Tod, sondern ins kollektive Unbewusste und damit in jenes Reich der Psyche, an dem jeder Einzelne Anteil hat. Man könnte auch sagen: in das Gedächtnis der Menschheit.
Madschnun wird von seinen Zeitgenossen getadelt und verspottet, weil er trotz der Unerreichbarkeit seiner Liebsten an ihr festhält. Es scheint, als ob die archetypische Projektion wie ein Feuersturm ist, der das Ich über den Rand der Wirklichkeit hinausstößt. Eine solche Liebe fordert eine Absolutheit, der auf Erden die Erfüllung versagt ist.
Marie-Louise von Franz, eine Schülerin C. G. Jungs, schreibt zu Anima und Animus: „Der völlig archetypische Aspekt dieser zwei Gestalten steht im Grunde jenseits aller Geschlechtsunterschiede. Sie sind ein inneres Bild, das beide, Mann und Frau angeht, wenn auch in etwas verschiedener Weise. Es sind darum Symbole von weit ausstrahlender, kollektiver Bedeutung – fast schon nicht mehr Daimones, sondern Götter.“ (von Franz, 1978, S. 132)
Sie betont dabei, „[...] dass die archetypische Struktur dieser Gestalten nur mit ihrer Spitze in den persönlich-seelischen Bereich hineinragt, dass aber große Teile davon überpersönlich sind. Und gerade diese nicht integrierbaren Teile sind [...] die projektionsbildenden Faktoren, d. h. die geheimen Drahtzieher unseres Schicksals, denen wir so ungeheuer schwer auf die Spur kommen können.“ (von Franz, 1978, S. 132)
Damit ist vor allem gesagt: Man sollte nicht meinen, dass man Verliebten mit Moral oder Vernunft beikommen könnte. Wenn denn Animus und Anima wie Götter wirken, gebührt ihnen zunächst einmal Respekt wie etwa den elementaren Naturgewalten. Wer würde es einem Anderen vorwerfen, dass er, wenn das Unglück es will, im Feuer verbrennt oder in einer Wasserflut ertrinkt? Von ähnlich elementarer Gewalt kann die Ergriffenheit durch die Liebe sein.
Dazu Marie-Louise von Franz weiter: „Die Liebe ist darum ein so schicksalhafter Faktor im Leben jedes Menschen, weil sie, wie nichts anderes, die Lebenden von ihrer Nur- Ichhaftigkeit erlösen kann und uns die Ahnung vermittelt, einem transzendenten Geschehen, einem Götterspiel der Vereinigung [...] jenseits der Banalität des irdischen Lebens beizuwohnen. Es ist ein Geheimnis, das noch kein Mensch gelüftet hat und das doch als Ziel des Lebens in jedem von uns angelegt scheint.“ (von Franz, 1978, S. 132)
Als Ziel in jedem angelegt, aber so mächtig und schicksalhaft, dass man daran sterben muss? Damit tun sich neue Fragen auf: Woher rühren so starke psychische Mächte wie Animus und Anima? Warum wirken sie so beseeligend oder verstörend auf den Einzelnen? Solche Warums rühren an die großen, unbeantwortbaren Sinnfragen von Welt und Mensch.
Der Physiker Brian Swimme hat die Liebe mit der Gravitation verglichen, der Anziehungskraft, die dafür sorgt, dass die einzelnen Elemente, die Planeten, Sterne und Galaxien des Universums nicht auseinanderfliegen.
„Diese aktiv anziehende Kraft ist eine staunenerregende und geheimnisvolle Tatsache des Seins – und ursprünglich. Wir wachen auf und entdecken, dass diese anlockende Kraft die grundlegende Wirklichkeit des Universums ist.“ (Swimme, 1991, S. 41)
Das Rätsel der Gravitation aber haben die Physiker bis heute nicht lösen können. Dass die Liebe aber und natürlich auch die Sexualität, vorher Fremde oder sogar Feinde, die normalerweise Abstand zueinander halten würden, zueinander treiben kann, ist offenkundig.
Und sie sind womöglich sogar bereit, dafür zu sterben. Allzu viele Beispiele aus der Literatur und dem konkreten Leben belegen das. Es gibt eine Chance, aus diesem Anspruch der Absolutheit, die bis zum Tode führen kann, herauszukommen, eine geheimnisvolle Wandlung, die dem Einzelnen aber viel abverlangt. Im Zusammenhang mit den Projektionen von Anima und Animus war bisher absichtlich von der Verliebtheit die Rede. Sie in personale Liebe zu wandeln, kann den Liebenden im günstigen Fall eine Lebenschance eröffnen.
In der Analytischen Psychologie wird dies als Rücknahme der Projektion bezeichnet. Was sich so formelhaft anhört, ist in Wirklichkeit ein schmerzhafter und langwieriger Prozess. Rücknahme der Projektion bedeutet die Erkenntnis, dass die Anima Teil der Psyche des Mannes ist, seine Beziehungsfähigkeit und seine Kreativität. Er muss diese Kräfte aus sich selbst ins Leben einbringen. Und die geliebte Frau muss dann keine Göttin sein, wird aber auch nicht länger als Verführerin gesehen, sondern kann so wahrgenommen werden, wie sie ist.
Ähnlich bei der Frau: Der Animus ist eine geistige Kraft in ihr selbst, der sie durch eigene Kreativität Ausdruck geben soll. Der geliebte Mann muss dann nicht länger Gott sein, sondern eben ein Mensch. Man könnte diesen Vorgang geradezu als Inkarnation des Göttlichen ins Menschliche bezeichnen. Aber gelingen kann dies wohl nur, wenn die Götter Gnade und Glück dazugeben, nämlich die seelische Energie, aus der die Liebe sich immer neu nährt.
Namen dafür wären Animus und Anima, oder in anderer Umschreibung das Feuer, das zu hüten ist, oder das Wasser, das in ein Gefäß gefüllt werden muss. Feuer und Wasser können vernichten, zugleich sind sie unverzichtbare Lebenselemente, die wir nicht machen können. Die Kunst des Menschen besteht darin, sie zu hüten. In einer gelingenden Liebesbeziehung muss der Andere aus der Projektion herausgeliebt werden, der Liebende muss in und hinter ihm aber immer auch etwas Transzendentes ahnen und respektieren. Eine wie hohe Kunst das ist, bemerkt Marie-Louise von Franz, wenn sie schreibt, dass Besonnenheit und Weisheit dazugehören, weil die archetypischen Kräfte „uns immer von der Wirklichkeit weg in ein Hingerissen- und Versunkensein verführen wollen“. (von Franz, 1978, S. 134)
Sie hat zu diesem Thema den bemerkenswerten Satz geprägt: „Wer sich dem nicht hingeben kann, hat nie gelebt, und wer darin untergeht, hat nichts verstanden.“ (von Franz, 1978, S. 133)
Soweit eine Deutung. Es gibt noch eine andere, die uns Heutigen schwerer eingeht. Der persische Dichter Nizami, ein Mystiker, hat sie in seinem Versepos von Leila und Madschnun entfaltet. Danach ist der Tod nicht das Ende, sondern der Anfang der erfüllten Liebe, weil das Irdische sie nicht fassen kann. „Nicht erdwärts (und herdwärts!) soll die Liebesflamme brennen, sondern himmelwärts, immer höher und steiler. Die Nähe bringt uns Verderben; in der Religion der Liebenden ist sie ein Fehler”, sagt Leila bei Nizami. „Das Leiden der Liebenden [...] ist ein als notwendig erkanntes Mittel, um dadurch die Grenzen der Menschennatur zu sprengen, um frei zu werden vom Ich und seiner Verhaftung im vergänglichen Schein. Diese Art der Liebe transzendiert. Für sie ist erst der Tod das Tor zu jener Wirklichkeit, nach der – wie diese Liebenden glauben – die in der Fremde wandernde Seele zeitlebens heim verlangt.“ (Nizami, 1963) So der Übersetzer und Kommentator Nizamis Rudolf Gelpke.
Die Liebe wäre danach gar nicht dazu gedacht, im irdischen Leben ganz verwirklich zu werden. Demnach sind Liebe und Tod so miteinander verknüpft, dass der Tod der Durchgang zur wahren Liebe ist. Diese Vorstellung schließt natürlich ein, dass es ein Leben nach dem Tode gibt. Die Liebe ist dann das Eingangstor zu einem mystischen Einweihungsweg. Friedrich Rückert hat das in einem Gedicht ausgedrückt, das Maulana Rumi folgt:
 
    Wohl endet Tod des Lebens Not, doch schaudert Leben vor dem Tod.
     
    Das Leben sieht die dunkle Hand, den hellen Kelch nicht, den sie bot.
     
    So schauert vor der Lieb ein Herz, als wie von Untergang bedroht.
     
    Denn wo die Lieb erwachet, stirbt das Ich, der dunkele Despot.
     
    Du lass ihn sterben in der Nacht und atme frei im Morgenrot!
 
Von der Liebe, die an den Schranken des Todes nicht haltmacht, sondern den Geliebten ins Leben zurückholt, erzählen zahlreiche Mythen der antiken Welt. Die größten und wichtigsten Mythen des Vorderen Orients umkreisen immer neu das Thema Trauer.
Der sumerische Mythos will von der Unterweltfahrt der Göttin wissen, die den Geliebten aus den Klauen der Todesgöttin befreien will. Der kanaanäische Mythos erzählt, dass die Geliebte und Schwester des Baal es mit dessen Widersacher Mot, aufnimmt, um den Getöteten ins Leben zurückzuholen. Der berühmte Mythos Ägyptens von Isis und Osiris erzählt von der trauernden Suche seiner Schwester und Ehefrau Isis, die nicht ruht, bis sie den toten Osiris findet und seine zerstückelten Gebeine wieder zusammensetzen kann. Der griechische Sänger Orpheus schließlich dringt in das Reich des Hades ein, um die Herrscher der Unterwelt mit seinem Gesang zu bewegen, ihm seine geliebte Ehefrau Eurydike zurückzugeben. Fast gelingt es ihm. Als er Eurydike aber erneut verliert, trauert er weiter und will keine andere Frau mehr lieben, bis er selbst den Tod findet.
Zum Teil sind diese Mythen eine Abbildung vom Werden, Vergehen und Neuwerden der Vegetation. Die Rituale und Feste, die zu ihnen gehören, sind aber Ausdruck von viel mehr. Die Jahreszeitenfeste, die Feiern zur Königsinthronisation, die Einweihungsriten und schließlich die großen Mysterienreligionen – sie alle ranken um diese mythischen Muster. Immer geht es um Liebe, um die Trauer um den oder die Geliebte, die der Tod einem entrissen hat, und sogar um ein Wiederfinden, um die Wiederkehr des Lebens. Im Durchleben der Liebe, des Verlustes, des Schmerzes, der Trauer und der Erneuerung entfaltet sich eine ungeahnte Kreativität – Tanz, Gesang, Dichtung und Musik. Und alle, die mitfeiernd diese Rituale erleben, erfahren eine tiefe seelische und geistige Wandlung. Sie war jedenfalls das Ziel der Mysterienreligionen.
 
 
2Blake
William Blake: Engel über dem Grab Christi, 1805
 
Gewiss ist es für die menschliche Kultur wünschenswert, dass die archetypischen Projektionen den Einzelnen nicht über den Rand der Wirklichkeit hinausschleudern, sondern dass sie zunächst dem Leben dienen. Dazu bedarf es eben einer erotischen Kultur, die lehrt, wie man das Feuer zähmt, damit es leuchtet und wärmt, und wie man die Wasserfluten so leitet, dass sie den Bo- den befruchten und den Durst löschen.
Es ist offenbar so, dass die Liebe, wie sie im Menschen angelegt ist, sich in diesem Leben selten erfüllt. Und dass auch Liebende selten die Kraft haben, ihrer Liebe die ursprüngliche Strahlkraft zu bewahren. Die tief verwurzelte Sehnsucht nach Liebe fordert daher geradezu ein Leben, das an der Schranke des Todes nicht endet. Ja, die Liebe als eine Himmelsmacht kann sogar das irdische Leben wie ein jenseitiges Feuer erleuchten. In jedem Fall deutet sie auf ein Geheimnis im Menschen hin, das ihn über die Banalität des Daseins hinaushebt.
Nun zieht sich noch ein eigentümliches Wissen wie eine Geheimlehre durch die Literatur, immer nur angedeutet, selten öffentlich reflektiert: Wenn zwei Menschen sich finden, einander lieben und nahekommen, meinen sie oft, sich schon seit ewigen Zeiten zu kennen. Die Bibel hat für Lieben ja auch den Ausdruck „erkennen“. Und die einander kennen lernen, erleben dies oft als ein Wiedererkennen.
In der Novelle des kirgisischen Schriftstellers Tschingis Aitmatow “Dshamilja”, die Louis Aragon „die schönste Liebesgeschichte der Welt“ nennt, sagt Dshamilja zu dem Außenseiter Danijar: „Ich gebe dich nicht her, Liebster, niemandem gebe ich dich! Ich liebe dich schon so lange. Noch bevor ich dich kannte, habe ich dich geliebt und auf dich gewartet, und du bist gekommen, als hättest du gewusst, dass ich auf dich warte!“ (Aitmatow, 1988)
Oft stehen äußere Umstände der Verbindung im Wege, oder der Tod trennt die beiden. Aber auch dies ändert nichts an der Überzeugung der Liebenden, dass sie zusammen gehören. Nehmen wir als Beispiel den Brief aus einem Roman: Da schreibt ein Siebzehnjähriger an eine 14-jährige Jugendliebe, von der er aus sozialen Gründen getrennt wird: „Dass die Trennung so wehtut, liegt daran, dass unsere Seelen verbunden sind. Vielleicht waren sie es immer schon und werden es immer bleiben. Vielleicht haben wir tausend Leben vor diesem gelebt und haben uns in jedem Leben gefunden. Und vielleicht sind wir in jedem dieser Leben aus dem gleichen Grund getrennt worden. Das würde bedeuten, dass dieser Abschied zugleich ein Abschied der letzten Zehntausende von Jahren ist und ein Vorspiel zu dem, was vor uns liegt.
Wenn ich dich anschaue, sehe ich deine Schönheit und Anmut und weiß, dass du mit jedem gelebten Leben stärker geworden bist. Und ich weiß, dass ich dich in jedem Leben gesucht habe. Nicht jemanden wie dich, sondern dich, denn deine Seele und die meine sind dazu bestimmt, sich immer wiederzufinden. Doch aus einem Grund, den keiner von uns versteht, sind wir gezwungen, Abschied zu nehmen.
Ich würde dir gern sagen, dass sich alles für uns zum Guten wendet, und ich verspreche dir, mein Möglichstes dafür zu tun. Aber wenn wir uns trotzdem nicht wiedersehen und dies ein Abschied für immer ist, so weiß ich doch, dass wir uns in einem anderen Leben wieder begegnen werden. Wir werden uns wiederfinden, und vielleicht stehen die Sterne dann günstiger für uns, und wir werden uns dann nicht nur dieses eine Mal lieben, sondern immer und ewig.“ (Sparks,1996, S. 121f)
 
 
3Brown
Ford Madox Brown: Romeo und Julia, 1870
 
In Romanen kann man zur Zeit dieser Vorstellung öfter begegnen, aber auch bei Goethe in seinem Gedicht „Warum gabst du uns die tiefen Blicke, unsre Zukunft ahndungsvoll zu schaun ...“. Da heißt es:
 
    Sag, was will das Schicksal uns bereiten? Sag, wie band es uns so rein genau? Ach, du warst in abgelebten Zeiten Meine Schwester oder meine Frau.
     
    Kanntest jeden Zug in meinem Wesen, spähtest, wie die reinste Nerve klingt, konntest mich mit einem Blicke lesen, den so schwer ein sterblich Aug durchdringt ...
     
    ... Und von allem dem schwebt ein Erinnern nur noch um das ungewisse Herz, fühlt die alte Wahrheit ewig gleich im Innern, und der neue Zustand wird ihm Schmerz ...
 
Es geht hier nicht nur um die Idee vom androgynen Urmenschen aus Platons Gastmahl. Danach war die Kraft jenes Urmenschen so groß, dass er die Götter herausforderte. Um ihn zu bändigen, teilte Zeus ihn in zwei Teile, „und als nun auf diese Weise die ganze Natur entzwei war, kam in jeden Menschen die große Sehnsucht nach seiner eigenen anderen Hälfte.“ So hat man sich lange Zeit die Anziehungskraft der Geschlechter erklärt: „Von dieser Zeit, Freun - de, ist Eros den Menschen eingeboren und da, damit er die Menschen zu ihrer alten Natur zurückführe und aus zwei Wesen eines bilde und so die verletzte Natur wieder heile.“ (Platon, 1959)
Es geht auch nicht allein um die Vorstellung, die ihr ähnlich ist: dass Adam ursprünglich auch so ein androgyner Urmensch gewesen sei, der von Gott abfiel, weshalb ihn die Weisheit verließ und er nun in der Eva, die aus seiner Rippe gemacht war, seine verlorene Ganzheit suchen muss. Diese Ideen haben die ganze europäische Geistesgeschichte durchzogen, auch wenn sie nie kirchliche Lehre gewesen sind.
In den von Dichtern und Schriftstellern geschilderten Liebesbeziehungen geht es nicht allein um die Urgewalt des Gottes Eros, der die Geschlechter zueinander treibt, sondern um etwas ganz Persönliches, Individuelles. In diesen Zeugnissen haben sich Erfahrungen niedergeschlagen, die sich der Deutung bisher entzogen haben. Rilke dichtete über eine „Todes-Erfahrung“:
 
    Wir wissen nichts von diesem Hingehn, das nicht mit uns teilt ... Noch ist die Welt voll Rollen, die wir spielen ...
     
    Doch als du gingst, da brach in diese Bühne ein Streifen Wirklichkeit durch jenen Spalt, durch den du hingingst: Grün wirklicher Grüne, wirklicher Sonnenschein, wirklicher Wald.
     
    Wir spielen weiter. Bang und schwer Erlerntes hersagend und Gebärden dann und wann aufhebend; aber dein von uns entferntes, aus unserm Stück entrücktes Dasein kann
     
    uns manchmal überkommen, wie ein Wissen von jener Wirklichkeit sich niedersenkend, so dass wir eine Weile hingerissen das Leben spielen, nicht an Beifall denkend. (Rilke, 1955, S. 518f)
 
Ein Leben mit einem „Grün wirklicher Grüne“, mit „wirklichem Sonnenschein, wirklichem Wald“, ein Leben jenseits der Todesschranke, wo wirkliche Liebe möglich ist, wer vermag es sich vorzustellen? Trotzdem wird es gerade von Liebenden immer geahnt, ja gefordert.
In der biblischen Erzählung von Tobias, den auf seiner Reise kein geringerer als der Erzengel Raphael begleitet, klingt etwas davon an. Tobias, so sagt ihm der Engel, soll ein bestimmtes Mädchen, Sara, zur Frau nehmen. Tobias fürchtet sich, denn auch er hat von dem furchtbaren Unglück Saras gehört: Schon siebenmal hat sie geheiratet, aber jedes Mal wurde am Morgen nach der Brautnacht der Bräutigam tot aufgefunden.
Doch der Engel duldet das Zögern des Tobias nicht, sondern sagt: „Sie ist dir von Ewigkeit her bestimmt.“ „Von Ewigkeit füreinander bestimmt“, das ist die innere Überzeugung vieler Liebenden.
Und wenn der Tod sie trennt, dann haben viele Trauernde den Impuls, ihm nachzusterben, um wieder mit ihm oder ihr vereint zu sein. Denn die Liebe, so ihre Überzeugung abseits kirchlicher Lehren, kann durch den Tod nicht geschieden werden. Und erfahrene Seelsorger, die mit Trauernden umgehen, lassen ihnen auch diesen Glauben.
In Liebenden lebt also die Überzeugung: Ob in diesem Leben, ob in einem jenseitigen, ob in einem bisherigen oder künftigen auf der Erde – immer werden sie einander suchen, immer werden sie wieder zueinander finden, ob als Liebespaar oder in einer anderen Gestalt des Zusammengehörens. Sie brauchen einander, sie reifen aneinander, ja sie erlösen einander.
Walter Schubart schreibt in „Religion und Eros“: „Die erlösende Liebe gedeiht nur auf dem Boden der Personalität [...] In der Wahl des Partners enthüllt der Liebende seinen wesenhaften Seelengrund, das Geheimnis seiner Person. Das Rätsel der geschlechtlichen Anziehung ist mit dem Rätsel unserer unergründlichen, tief ins Metaphysische hinabgreifenden Persönlichkeit verknüpft, für deren transzendente Natur uns erst das Christentum die Augen geöffnet hat. [...] [Die Phantasie] zaubert, wenn sich keine Gestalt zu dem inneren Bilde finden will, dem nach Liebe Dürstenden aus dem Urgrund seines eigensten Wesens das Wunschbild vor Augen, das ihn, nur ihn erlösen soll.“ (Schubart, 1966, S. 123-130)
Der schwedische Naturforscher und spätere Seher Emanuel Swedenborg hat schon im 18. Jahrhundert die Anschauung vertreten, dass Liebende tatsächlich erst nach dem Tod wirklich eins werden. Sie verbinden sich geradezu zu einem Engel. Wenn jemand im Erdenleben schon seinen Liebespartner gefunden hat, ist er auch dann mit ihm verbunden; hat er ihn auf Erden nicht gefunden, wird er ihn nach dem Tod treffen. Swedenborg ist nach dem Urteil seines Biografen Ernst Benz der einzige christliche Autor der protestantischen Epoche, der erstens die Jenseitserwartung neu zur Geltung gebracht hat, und zweitens der Liebe eine andere als moralische Deutung gegeben hat. Benz schreibt: „Wo die Anschauungen vom Jenseits als eine Art Anhängsel der Theologie weiter mitbehandelt wurden, geschah dies nach den herkömmlichen Vorstellungen des katholischen Mittelalters, in denen der Himmel als eine Art großes Kloster erschien, in dem geschlechtslose Engelwesen in einem weiter nicht beschreibbaren Zustand abstrakter Glückseligkeit in ewigen Chören den Herrn lobten. Bei Swedenborg ist dieser Rest einer monastischen Frömmigkeitshaltung überwunden: Auch der Himmel ist der Bereich einer unendlichen Entfaltung des Menschlichen und des Menschen, und zwar aller seiner persönlichen Anlagen und Kräfte, sowohl der Liebe wie der Erkenntnis.“ (Benz, 1996, S. 440f)
Swedenborg war Schwede, lebte von 1688-1772 und war bis zu seinem 40. Lebensjahr ein ebenso eifriger wie erfolgreicher Naturwissenschaftler mit entschieden rationalen Ansichten. Ein Bekehrungserlebnis, das sich über Jahre hinzog, brachte ihn schließlich dazu, seine Karriere und seine bisherige Lebensweise aufzugeben und sich ausschließlich einer Neuinterpretation der Bibel zu widmen, durch die er hoffte, die Gelehrten ganz Europas überzeugen zu können. Daher schrieb er alles auf Latein. Dabei bezog er sich einzig und allein auf seine Visionen und Auditionen, seinen Kontakt mit Christus, den Engeln, den Gestorbenen und der Geisterwelt. 1768 veröffentlichte er seine Schrift „Über die eheliche Liebe“. Trotz der Einfärbung seiner Gedanken durch die Epoche, in der er lebte, erscheint Swedenborg in vielem als ein moderner Schriftsteller. So setzt er beim Thema Ehe bereits voraus, dass die Ehen auf Erden keineswegs alle „im Himmel geschlossen“ wer- den, wie die fromme Meinung glaubte, sondern oft genug durch soziale Umstände erzwungen werden und an allzumenschlichen Unzulänglichkeiten scheitern können.
Aber, so seine Darlegung, Menschen werden von Anfang an als Mann und Frau geschaffen und brauchen einander, um ganz zu werden. Wenn sie in diesem Leben einander finden und ihre Liebe sie zu einer seelisch- geistigen Einheit bringt, werden sie es auch nach dem Tode sein. Wo sie diese Möglichkeit in diesem Leben nicht haben, kann es nach dem Tode geschehen: „Im Himmel, in dem das innerste Wesen des Menschen, nämlich seine Liebe sich rein verwirklicht und auch die äußere Gestalt bestimmt, vollzieht sich die Verbindung von Mann und Frau zur wahren ehelichen Einheit. Dort vereinigt die gegenseitige Liebe die Ehegatten, sodass sie mehr und mehr ein Mensch werden, denn ‚zwei Ehegatten sind im Himmel nicht zwei, sondern ein Engel’ [...] wo nicht die Grundrichtung auf eine höhere Einheit gegeben war, da findet eine Trennung statt: Im Himmel wird nicht zusammengezwungen, was nicht zusammengehört.“(Benz, 1996, S. 425f, S. 434f)
Wie aber gestaltet sich dieses jenseitige Liebesleben? Auch darüber versagt Swedenborg die Auskunft nicht, er weiß dies alles ja laut seinen Schriften aus unmittelbarer Anschauung. Wer alt und krank gestorben ist, wird wieder jung und schön, beide kehren in die Altersstufe zurück „in der die eheliche Liebe das Leben mit neuen Freuden zu erheben beginnt.“ Sie werden äußerlich, aber vor allem innerlich wieder jung.
Ernst Benz urteilt: „Die Wandlungen des ehelichen Lebens im Himmel haben sich Swedenborg in zahlreichen Visionen verdeutlicht. Die Berichte gehören zu den anschaulichsten und bilderreichsten und zeigen ganz im Gegensatz zu den großenteils recht gleichförmigen Lehrgesprächen in himmlischen Akademien eine spontane Lebendigkeit und Farbigkeit. In ihren poetischen Stil drängen sich nicht selten Elemente der zeitgenössischen antikisierenden Schäferpoesie ein. So bleibt er auch in seinen Visionen ein Kind seiner Zeit. Seine Bilder vermischen sich mit den Träumen von einem Arkadien mit ewigem Frühling, ewiger Jugend, ewiger Unschuld und ewig treuer Liebe, wie sie in der Poesie der Rokokozeit ihren dichterischen Ausdruck finden. In einer Vision, in der er die himmlischen Paare aus der goldenen Urzeit der Menschen besucht, die auf einer mit Zedern und Oliven bewaldeten Hochebene in Zelten wohnen, umrankt von dunkelblaue Trauben tragendem Wein, die Männer in hyazinthfarbene Mäntel und weiße Tuniken gekleidet, die Frauen in Purpurtogen, fehlen nicht einmal die zierlichen Rokoko-Schafe, die Unschuld und Frieden der Bergbewohner verkörpern. Er selbst hat dabei das Gefühl, dass die sprachlichen und stilistischen Mittel der Poesie nicht ausreichen, dieses Paradies beseligten Lebens erschöpfend dazustellen, und bringt dies auch bei der Beschreibung seiner himmlischen Gesichte, bei der Schau der arkadischen Wege, die durch Blumengefilde mit Öl- und Pomeranzenbäumen führen, der himmlischen Schönheit der Gestalten, der Gewänder, der Festlichkeit, der Gefäße und Geräte immer wieder zum Ausdruck.“ (Benz, 1996, S. 437f)
Soweit so gut, aber was spielt sich innerhalb der Beziehungen ab? „Die echten Ehen stehen im Himmel im Zeichen einer immer höheren Vervollkommnung. Es gibt dort keinen Stillstand, kein bloßes Genießen, sondern eine ewig tätige Verwirklichung der Liebe und Erkenntnis am Nächsten und in der Gemeinschaft mit dem Nächsten, weil in der wahrhaft ehelichen Liebe beide innerliche und immer innerlichere Menschen werden, denn diese Liebe schließt das Inwendige ihrer Gemüter auf, und wie dieses aufgeschlossen wird, wird der Mensch mehr und mehr Mensch.“ (Benz, 1996, S. 436)
Soweit Swedenborg. Fast überflüssig anzumerken, dass es ihm nicht gelungen ist, alle Professoren Europas zu seiner Sicht zu bekehren. Überflüssig auch anzumerken, dass weder die schwedische noch eine andere evangelische Kirche sich seiner Sicht angeschlossen hat. Den meisten ist er unbekannt. Die Swedenborgianer, die es heute gibt, sind eine kleine Gruppe. Einige Vertreter der östlichen Spiritualität halten den Vergessenen für den größten spirituellen Lehrer Europas. Zwei bemerkenswerte Impulse sind ihm zu verdanken: Er hat der Liebe zweier Menschen einen Inhalt und Sinn gegeben, der weit über das hinausweist, was in einem Leben zu verwirklichen ist und hindeutet auf das, was Schubart die „tief ins Metaphysische hinabgreifende Persönlichkeit“ nennt. Und er hat der Jenseitsvorstellung einen Inhalt gegeben, der jeden Einzelnen anrührt: Da geht es nicht um Auflösung in ein göttliches Eines und Alles, sondern um eine weitere Entwicklung und Entfaltung der Individualität und um die Erfüllung einer Sehnsucht, die vielen im Laufe ihres Lebens versagt bleibt: die Begegnung mit einem liebenden Du als ganz persönlicher Ergänzung.
Was Liebende ahnen und was ihnen durch äußere Umstände oft schmerzlich versagt bleibt, entspricht wohl doch einer Wirklichkeit, die über dieses Leben hinausreicht und seine Wahrheit zeigen wird. Die Ahnung davon schwingt bei Liebenden schon immer mit, und wer weiß, vielleicht entspricht sie sogar einer Wirklichkeit.
 
 
Literatur
Aitmatow, T. (1988): Dshamilja. Frankfurt: Suhrkamp.
Mit einem Vorwort von Louis Aragon. Aus dem Russischen von Gisela Drohla
Benz, E. (1996): Emanuel Swedenborg. Naturforscherund Seher, Zürich: Swedenborg-Verlag
von Franz, M.-L. (1978): Spiegelungen der Seele. Projektionund innere Sammlung. Stuttgart: Kreuz
Nizami, (1963): Leila und Madschnun. Aus dem Persischenübertragen von R. Gelpke. Zürich: Manesse
Platon, Gastmahl, übertragen von Rudolf Kassner.1959, Wiesbaden: VMA Verlag
Rilke, R. M. (1955): Werke I. Gedichte, Frankfurt amMain: Insel
Schubart, W. (1966): Religion und Eros. München:Verlag C-H. Beck
Sparks, N. (1996): Wie ein einziger Tag. München Heyne
Swimme, B. (1991): Das Universum ist ein grüner Drache. München: Claudius
4Wöller


Hildegunde Wöller
Evangelische Theologin, Lektorin, freiberuflicheTätigkeit in Publizistik und Erwachsenenbildung
 

INHALTSÜBERSICHT


  • Anette und Lutz Müller
    Gestaltung - Umgestaltung, des Lebens ewige Unterhaltung
  • Klaus Aichele
    Nicht sterben wollen
    heißt nicht leben wollen

    Traum und Tod im Leben
    C. G. Jungs
  • Christiane Lutz
    Du stirbst damit du lebst
    Die ägyptischen Totenbücher
  • Ursula Arlart
    Du musst Dein Leben ändern
    Krise und Verwandlung bei
    R. M. Rilke
  • Hildegunde Wöller
    Liebe ist stärker als der Tod
    (Leseprobe s. u.)
  • Ralf Vogel
    Wo soll das alles enden?
    Das Finalitätskozept
    C. G. Jungs im Angesicht des Todes

  • Anselm Grün
    Wege der Trauer
  • Bernd und Margarete Leibig
    Entschleunigung
    Seelenverlust im Turbo-Kapitalismus und die Wiederentdeckung der Langsamkeit
  • Gerhard Heydt
    Die Geburt des Todes
    Actus Tragicus in der Stuttgarter Oper
  • Maria Schwarting-Mendel
    Reisebericht über den Workshop „Kunst und Mythos in Ägypten“
    Ägyptische Symbolik und Analytische Psychologie
  • Irene Bischof-Lessenich
    „Stirb und Werde” ?
    Jubiläum 60 Jahre
    C. G. Jung-Institut Zürich in Küsnacht
  • Elisabeth Kauder und Daniela Liebig
    Auf den Spuren von
    C. G. Jung

AKTUELLE AUSGABE


Aktuelles Heft

Heft Nr. 38 • September 2017
Hinweis für den Buchhandel (Libri): Jung Journal 38 • Forum für Analytische Psychologie und Lebenskultur • (Broschiert) •
von Prof. Dr. Lutz Müller (Herausgeber) • ISBN: 978-3-939322-38-2

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