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Heft Nr. 43 • April 2020 • SCHWERPUNKT: BERÜHRUNGEN

Heft 41
Heft 41 xs
 
Inhalt (Auszug):
Wilhelm Schmid: Von der Kraft der Berührung - die Wiederentdeckung der Sinnlichkeit | Die Experimente des Dr. Harlow
Martin Grunwald: Der Mensch, ein Homo Hapticus | Das Trauma der Geburt
Tilmann Moser: Die Bedeutung der Berührung in der Psychotherapie
Volker Münch: Die Paradoxie der Berührung in der Psychotherapie | Das Beziehungs-Quaternio-Modell
Lisa Hübner & Christiane Eichenberg: Künstliche Berührung: Vom körperlichen Cyberspace bis hin zum künstlichen Körper | Wie ein Paradies zur Hölle wurde / Rück mir nicht auf die Pelle! Zonen der Distanz
Luise Reddemann, Ulrike Reddemann, Fee Schäfer: Von Berührung zum Machtmissbrauch Übergriffe auf Kinder und Jugendliche und mögliche Wege zur Heilung
Monika Rafalski: Heilsame Berührungen zwischen Tier und Mensch
Selina Danisch: Waldatmen in Elm | Eine Verbindung von Waldbaden und Analytischer Psychologie
Ernst Peter Fischer: Die Präzision der Poesie und die Kreation der Forschung / Ein Plädoyer für Romantik in der Wissenschaft
Irene Berkenbusch-Erbe: Berührungsformen - Darstellungen in der Literatur |Als Gott den Mann schuf, übte sie noch
Margarete Leibig: Bilder berühren – eine archetypische Dimension
Michael Seibt: Das Enneagramm als Landkarte der Selbsterkenntnis
FÜR SIE GESEHEN Dieter Volk: Man muss mich nicht lieben Ein Film von Stéphane Brizé (2005)
 
Editorial:
 
Liebe Leserinnen und Leser,

das Thema Berührungen hat zum Zeitpunkt der Drucklegung dieser Ausgabe während der sog. Corona-Krise eine ganze besondere Bedeutung und Zuspitzung erfahren. Wir sollen derzeit im sozialen Umgang Berührung vermeiden, uns nicht näher kommen als anderthalb bis zwei Meter. Händeschütteln, schon immer aus hygienischen Gründen in der Diskussion, wird vermieden, ebenso wie Schulterklopfen, Umarmungen und die vielen Formen der „Küsschen-Begrüßung“.

Sobald wir uns tiefer auf die eigentlich einfach und unproblematisch erscheinende Thematik der Berührung einlassen und auch das damit eng verbundene psychodynamische Umfeld von Nähe und Distanz, Beziehung und Autonomie, Hingabe und Kontrolle, Unterwerfung und Macht, Lust und Schmerz mit berücksichtigen, stoßen wir auf höchst komplexe und existenzielle Zusammenhänge. Uns ist meist gar nicht klar, wie fein und individuell unsere Bereitschaft, zu berühren und berührt zu werden, ausbalanciert ist, wie sensibel wir auf alle Formen des Fehlens von Berührung wie auch des übergriffigen Berührtwerdens reagieren.

Von Anfang bis Ende unseres Lebens sind wir auf die Berührungen, die Nähe, die Wärme, die Zärtlichkeit anderer Menschen angewiesen. Eng verbunden damit sind auch emotionale und geistige Berührungen, die einen tiefgreifenden Einfluss auf unser Leben haben können. Fragen der Berührung reichen von dem - hoffentlich - wohligen ganzkörperlichen Empfinden des sicheren ur-vertrauensvollen Gehalten- und Getragenseins im Fruchtwasser des Mutterleibs, über das oft gewalttätige und traumatische Drama der Geburt, den nachgeburtlichen Körperkontakt, den späteren vielen Formen kindlicher Berührungen, durch die wir lernen, mit den Dingen und Menschen unserer Umwelt in angemessenen Kontakt zu treten, den Erfahrungen mit Tieren, den erotischen Berührungserfahrungen, den Berührungserfahrungen bei Ärzten, im Krankenhaus und zuletzt bis zum Sterben.

Und dann gibt es natürlich die andere Seite, bei der ein liebevolles Berührtwerden nicht oder viel zu wenig erlebt wurde. Wir wissen von vielen Zusammenhängen, in denen Kinder und Erwachsene schmerzende und gewaltsame Berührung suchen, manchmal provozieren und gegen sich selber wenden. Und denken wir an die vielen Gewalterfahrungen in Zusammenhang mit Unfällen, Krankheiten, Katastrophen, Kriegen und Folter, in denen auf unsere körperlichen und emotionalen Grenzen keinerlei Rücksicht genommen wurde.

Besonders erschütternd: Sehr bewusst und mit der Überzeugung, Richtiges zu tun, ging und geht man in der Erziehung und teilweise auch im Strafrecht auch heute noch immer weltweit davon aus, dass körperliche Strafen in der Erziehung Anwendung finden können. Man sprach vom Züchtigungsrecht, das in Deutschland erst zu Beginn des 21. Jahrhunderts aufgehoben wurde. Nicht zu vergessen sind die vielen grausamen Formen der Entwertung, Benachteiligung, des Entzugs von Kontakt und Berührung bis hin zur Isolation, die ganz ohne körperliche Berührung auskommen bzw. ein Tabu auf diese legen und Menschen zerstören.

Zuletzt: Wie intensiv unser Bedürfnis nach gesunder Nähe, Berührung und Kontakt ist, ist ein Thema, das uns in vielen Zusammenhängen mit unserer Medien-, Computer- und Roboterwelt beschäftigt und weiter beschäftigen wird. Wir sind ja nicht nur auf Menschen bezogen, sondern besitzen auch die Fähigkeit, uns auf Objekte - denken wir an die Puppen und Kuscheltiere aus unserer Kinderzeit - und auf geistige und künstlerische Inhalte zu beziehen, sie zu berühren, uns von ihnen berühren zu lassen.

Wir hoffen, dass wir in unserem Heft vielseitige Aspekte des Themas darstellen und Sie als Leser damit in verschiedenster Form berühren können.


Mit guten Wünschen,
auch im Namen des Redaktionstteams,
Ihre Anette und Lutz Müller
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